Demokratie lebt davon, dass Menschen ihre Stimme erheben, gerade dann, wenn es schwierig wird. Bei der internationalen Jugendparlamentskonferenz (JPK) 2026 in Luzern kamen junge Menschen aus verschiedenen Ländern zusammen, um über Zivilcourage, gesellschaftliche Verantwortung und die Zukunft der Jugendbeteiligung zu diskutieren. Auch der Dachverband der bayerischen Jugendvertretungen e. V. (DVBJ) war dabei.
Was bedeutet es eigentlich, Zivilcourage zu zeigen? Reicht es, die eigene Meinung zu sagen, wenn alle anderen zustimmen? Oder beginnt Zivilcourage erst dort, wo Widerspruch Mut kostet, Menschen ausgegrenzt werden oder demokratische Werte unter Druck geraten?
Mit diesen Fragen beschäftigten sich vom 16. bis 18. Oktober 2026 rund 160 junge Menschen bei der Jugendparlamentskonferenz in Luzern. Die jährlich stattfindende Konferenz bringt Jugendparlamente, Jugendräte und Jugendkommissionen aus der Schweiz und den Nachbarländern zusammen. Organisiert wurde die JPK 2026 vom Dachverband Schweizer Jugendparlamente (DSJ) gemeinsam mit dem Jugendparlament des Kantons Luzern und dem Jugendparlament der Stadt Luzern.
Für uns als Teilnehmende aus Bayern bot die Konferenz die Möglichkeit, über die eigene kommunalpolitische Arbeit hinauszublicken, andere Perspektiven kennenzulernen und gemeinsam darüber nachzudenken, wie junge Menschen Demokratie aktiv mitgestalten können.
Zivilcourage beginnt im Alltag
Zivilcourage klingt zunächst nach großen Gesten: Menschen, die öffentlich Haltung zeigen, sich gegen Ungerechtigkeit stellen oder Verantwortung übernehmen, obwohl sie dafür Nachteile in Kauf nehmen könnten. Doch sie beginnt häufig viel früher – im eigenen Umfeld, in der Schule, im Verein, in sozialen Medien oder in der kommunalen Politik.
Wer widerspricht, wenn diskriminierende Aussagen fallen, wer anderen Menschen zuhört, obwohl ihre Meinung von der eigenen abweicht, und wer sich für diejenigen einsetzt, deren Stimmen häufig überhört werden, übernimmt Verantwortung für ein demokratisches Miteinander.
Gerade für uns in Jugendvertretungen ist das Thema besonders relevant. Wir vertreten die Interessen junger Menschen, bringen ihre Anliegen in politische Entscheidungsprozesse ein und setzen uns dafür ein, dass ihre Perspektiven ernst genommen werden. Das erfordert nicht nur gute Ideen und überzeugende Argumente, sondern manchmal auch den Mut, unbequeme Fragen zu stellen und bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen.
Die JPK bot einen internationalen Rahmen, um sich mit dieser Verantwortung auseinanderzusetzen. Das Schwerpunktthema Zivilcourage machte deutlich, wie eng demokratische Beteiligung, gegenseitiger Respekt und die Bereitschaft, für andere einzustehen, miteinander verbunden sind.
Über Ländergrenzen hinweg voneinander lernen
Wie unterschiedlich Jugendbeteiligung gestaltet werden kann, zeigte sich besonders bei der Vorstellung der internationalen Jugendparlamente. Die Teilnehmenden erhielten Einblicke in die Arbeit anderer Jugendvertretungen, deren Strukturen und Möglichkeiten, die Anliegen junger Menschen in politische Entscheidungsprozesse einzubringen.
Eine Gelegenheit, Fragen direkt zu diskutieren, bot das Speed Debating. In kurzen Gesprächsrunden kamen wir mit anderen Teilnehmenden über politische Themen ins Gespräch und konnten unterschiedliche Standpunkte kennenlernen. Das Format ermöglichte einen schnellen Perspektivwechsel und machte deutlich, wie wichtig es ist, Argumente auszutauschen, andere Positionen nachzuvollziehen und die eigene Meinung zu begründen.
Luzern aus einer politischen Perspektive kennenlernen
Auch außerhalb der Diskussionsrunden gab es viel zu entdecken. Bei einem Stadtrundgang durch Luzern lernten wir die Stadt aus einer politischen Perspektive kennen und kamen mit einem Lokalpolitiker ins Gespräch. So konnten wir einen Einblick in die kommunalpolitischen Strukturen vor Ort gewinnen und erfahren, welche Themen die Stadt beschäftigen.
Das Freizeitprogramm bot darüber hinaus Gelegenheit, die anderen Teilnehmenden auch abseits der politischen Diskussionen besser kennenzulernen. Bei gemeinsamen thematischen Exkursionen, etwa zur Glashütte Glasi Hergiswil, beim Bowling oder beim Geocaching durch Luzern entstanden Kontakte, die über die Konferenz hinausreichen können.
Und wie geht es weiter?
Mit neuen Eindrücken und internationalen Kontakten im Gepäck kehren wir nach Bayern zurück. Die Aufgabe besteht nun darin, die Erfahrungen aus Luzern in die eigene Arbeit mitzunehmen, neue Ideen zu prüfen und den Austausch mit anderen Jugendvertretungen fortzuführen.
Damit schließt sich der Kreis zum Schwerpunktthema der JPK: Zivilcourage zeigt sich nicht nur in außergewöhnlichen Situationen, sondern auch darin, sich im Alltag für andere einzusetzen, unterschiedliche Meinungen auszuhalten und demokratische Prozesse aktiv mitzugestalten.
Denn Demokratie lebt vom Mitmachen – und Zivilcourage beginnt dort, wo wir nicht nur zuschauen, sondern handeln.


