Wie können junge Menschen ihre Stadt oder Gemeinde aktiv mitgestalten? Wo kann man mit seinem Engagement beginnen? Diesen Fragen und vielem mehr gingen Jugendliche aus ganz Bayern bei der „Jungen Sommerakademie: Mitgestalten vor Ort“ vom 11. bis 13. September 2026 in Tutzing nach. Die Tagung war eine Kooperation des Dachverbands der bayerischen Jugendvertretungen e.V. (DVBJ) mit der Akademie für Politische Bildung Tutzing (APB).
Das Wochenende am Starnberger See begann im entspannten Rahmen mit Begrüßung durch Dr. Gero Kellermann (APB) und der 2. Landesvorsitzenden Juliana von Brühl-Störlein (DVBJ). Nach einem ersten Kennenlernen stellte Dominik Tartler, Stadtrat und ehemals Jugendbeauftragter aus Kempten Ideen und Erfahrungen aus der Jugendbeteiligung vor Ort vor. Dabei ging er unter anderem auf seine Erfahrung als überparteilicher Kandidat für das Oberbürgermeisteramt in Kempten zur Kommunalwahl 2026 ein. Anschließend weitete sich der Blick über die kommunale Ebene hinaus. Ein Impuls zum Youth Parliament Network Europe (YPNE) zeigte, wie Engagement auch europaweit vernetzt werden kann. Besonders interessant war der Einstieg der beiden Referenten Clara Droste und Aron Gabriel, die die Teilnehmenden aktiv einluden anhand von Schritten aufzuzeigen auf welchen Ebenen sich wer bereits engagiert und beteiligt wird. Den Abend ließen die Teilnehmenden bei Gesprächen im Seestüberl ausklingen.
Der Samstag stand im Zeichen von digitalen Räumen und politischer Teilhabe. Livia Kerp, Videoredakteurin und Onlinereferentin im Bayerischen Landtag, beleuchtete die Rolle von Social Media in der heutigen Zeit. Dabei berichtete sie ausführlich über ihre Erfahrung als Presenterin und Content Creatorin für den Bayerischen Landtag. Im Anschluss folgte ein Impuls von Juliana von Brühl-Störlein, die über weibliche Repräsentation in der Kommunalpolitik sprach und darüber, wie mehr junge Frauen für Engagement vor Ort gewonnen werden können. Sie ließ dabei sowohl eigene Erfahrung aus dem Kommunalwahlkampf 2026 einfließen als auch wissenschaftliche Erkenntnisse ihrer Bachelorarbeit.
Der Nachmittag widmete sich ganz der Praxis. Mit Robin Balzereit hatten die Tagungsteilnehmer*innen die Möglichkeit einerseits grundlegende Rhetorikskills zu lernen und diese andererseits direkt anzuwenden. In einem vorbereiteten Szenario hatten die Jugendlichen die Chance ihre Anliegen überzeugend zu vertreten und sich Feedback einzuholen.
Am Sonntag ging es um Schattenseiten der digitalen Welt. Hannah Prechsl von der Universität Bamberg analysierte unter dem Titel „Extremismus beim Doomscrolling?“ Plattformlogiken, die Rolle von Influencern und Mechanismen politischer Radikalisierung. Dabei zeigte sie eindrucksvoll wie extremistische Inhalte gesellschaftsfähig und ästhetisch präsentiert werden können und wie schwierig es sein kann mit dem Algorithmus umzugehen. Zum Abschluss des Wochenendes vermittelte Alexander Löher in einem Medientraining praxisnahe Tipps für den Umgang mit der Presse. Nach grundlegenden Informationen sowie einem Erfahrungsaustausch mit den Teilnehmenden, konnten die Jugendlichen in einem Planspiel nicht nur ihre Resilienz unter Beweis stellen, sondern ebenfalls die am Vortag erlernten Rhetorikfähigkeiten unter Beweis stellen.
„Dieses Wochenende hat gezeigt, wie vielfältig unsere Generation ist“, resümiert Juliana von Brühl-Störlein. „Jugendbeteiligung lebt davon, dass wir uns vernetzen, voneinander lernen und uns gegenseitig Mut machen. Ich freue mich, dass so viele neue Bekanntschaften entstanden sind. Ich bin sicher, dass die Teilnehmenden mit frischer Motivation zurück in ihre Kommunen gehen, um dort ihre Stimme hörbar zu machen.“
Dr. Gero Kellermann von der Akademie für Politische Bildung zeigt sich begeistert: „Es war ein tolles Wochenende mit spannenden Impulsen! Wir haben uns sehr gefreut zum dritten Mal eine Tagung mit dem DVBJ zu veranstalten und ein Ort der Begegnung für junge Demokratinnen und Demokraten zu sein.“


