Beschluss zur Verankerung und Förderung der Erinnerungskultur als Aufgabe bayerischer Jugendvertretungen

Der Dachverband der bayerischen Jugendvertretungen e.V.  fordert die Verankerung und Förderung der Erinnerungskultur als Aufgabe bayerischer Jugendvertretungen.
 

Der DVBJ erkennt die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte, insbesondere der Zeit des Nationalsozialismus und deren Auswirkungen auf die Gegenwart, als elementaren Bestandteil einer demokratischen Jugendarbeit an.  

Als Dachverband unterstützt er die Entwicklung zeitgemäßer, digitaler Erinnerungsformate, die die Lebensrealität junger Menschen widerspiegeln und den Zugang zu historischem Wissen niederschwellig gestalten.

Die Bayerische Staatsregierung sowie die kommunalen Entscheidungsträger fordert der DVBJ dazu auf, die notwendige Infrastruktur für erinnerungskulturelle Projekte zu garantieren. Dies umfasst die Bereitstellung zweckgebundener Fördermittel sowie die Freistellung und Qualifizierung von personellen Ressourcen, um eine kontinuierliche und qualitativ hochwertige Auseinandersetzung mit der Geschichte in den Jugendvertretungen zu ermöglichen. Hierfür ist es notwendig, dass die bayerische Landesregierung die geschichtswissenschaftliche Erforschung der nationalsozialistischen Geschichte – insbesondere auf kommunaler Ebene – finanziell und personell unterstützen.

Der DVBJ fordert, Erinnerungskultur so weiterzuentwickeln, dass die unterschiedlichen Lebensrealitäten, Familiengeschichten und biografischen Zugänge junger Menschen berücksichtigt werden. Dabei bleibt die Erinnerung an die Shoa und die nationalsozialistischen Verbrechen unverrückbarer Ausgangspunkt; zugleich sollen weitere Erfahrungen von Verfolgung, Rassismus, Flucht, Krieg und Diskriminierung sichtbar gemacht werde, ohne historische Verbrechen gleichzusetzen oder zu relativieren.

Der DVBJ fordert, Jugendvertretungen gezielt darin zu unterstützen, lokale Erinnerungsorte, Biografien und historische Spuren sichtbar zu machen. Dazu gehören Kooperationen mit Gedenkstätten, Archiven, Schulen, Museen, Zeitzeugnis-Projekten und zivilgesellschaftlichen Initiativen vor Ort. Erinnerungskultur wird besonders wirksam, wenn junge Menschen erkennen, dass Geschichte nicht abstrakt bleibt, sondern sich in der eigenen Stadt, Gemeinde oder Region konkret nachvollziehen lässt.

Zu einem verbindlichen „Nie wieder“ als handlungsleitendes Prinzip seiner Arbeit bekennt sich der DVBJ. Erinnerungskultur wird dabei ausdrücklich als Auftrag verstanden, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen kritisch einzuordnen und ihnen aktiv entgegenzutreten.

Der DVBJ stellt sich jeder Form von Geschichtsrevisionismus, Holocaustrelativierung, Antisemitismus, Rassismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit entgegen. Erinnerungskultur muss junge Menschen befähigen, historische Verzerrungen, rechtsextreme Narrative und demokratiefeindliche Instrumentalisierung von Geschichte zu erkennen und ihnen entschieden zu widersprechen.

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