Der Landesvorstand des Dachverbandes der bayerischen Jugendvertretungen e.V. stellt folgenden Antrag:
Digitale Räume sind heute gleichwertige Orte der Jugendarbeit und damit zentral für Jugendvertretungen. Beteiligung und Organisation in unseren Gremien finden analog, digital und hybrid statt. Wer Jugendliche wirksam vertreten will, muss online sichtbar und beteiligungsfähig sein, gerade in der Kommune. Digitale Formate senken Hürden von Ort, ersparen Zeit, erhöhen Reichweite und Repräsentativität. Zugleich verlangt der digitale Raum eine klare Antwort auf Desinformation. Denn jugendpolitische Meinungsbildung entsteht zunehmend in dynamischen, algorithmengetriebenen Öffentlichkeiten, in denen sich Verzerrungen und Unwahrheiten schnell verbreiten. Deshalb haben Jugendvertretungen auch einen klaren Transparenzauftrag, um Desinformation vor Ort entgegenzuwirken.
Digitale Beteiligung für Jugendvertretungen heißt jedoch zunächst, den Zugang zum digitalen Raum zu ermöglichen. Ziel ist es, digitale Beteiligung als gleichwertigen Standard der Jugendvertretungsarbeit zu verankern. Hierfür dienen die Qualitätsstandards des DVBJs als Grundlage: Sie definieren digitale Ausstattung als Mindestvoraussetzung – von verlässlicher Infrastruktur und professionellen E-Mail- Adressen für alle Mitglieder bis zu Cloud-Ablage, Online-Meeting-Plattformen und arbeitsfähigen Officeumgebungen. Zugleich sichern die Qualitätsstandards eigenständige, transparente Öffentlichkeitsarbeit. Wir fordern, dass digitale Grundausstattung als Regelleistung der kommunalen Jugendarbeit anerkannt wird und Kommunen aktiv den Weg zu einer digitaleren Jugendbeteiligung finanziell mitbegleiten.
Digitale Jugendbeteiligung bedeutet mehr als Umfragen: Sie meint eine dauerhafte digitale Mitwirkung von jungen Menschen (eigene, verlässliche Kanäle), nachvollziehbare Dokumentation von Sitzungen, Beschlüssen und Vorhaben, Mitsprache-Tools für laufende Prozesse (Ideen sammeln, priorisieren, kommentieren), Agenda-Setting entlang des gesamten Politikzyklus – von Themenvorschlägen über Entwürfe bis zur Evaluation – sowie niedrigschwellige Kontaktaufnahme und Feedback- Schleifen in beide Richtungen. Gute Praxis umfasst Transparenz, Nachverfolgbarkeit von Beiträgen, Datenschutz und Barrierefreiheit; Open-Source-Lösungen für Beteiligung können diese Prinzipien technisch absichern. So wird Beteiligung nicht zu einer einmaligen Aktion („macht halt mal ein Padlet“), sondern zu einem kontinuierlichen, überprüfbaren Prozess mit klaren Zuständigkeiten und Rückmeldungen.
Desinformation bezeichnet die absichtliche Verbreitung falscher oder irreführender Inhalte, die politische oder wirtschaftliche Vorteile anstreben und öffentlichen Schaden verursachen können. Sie unterscheidet sich von unbeabsichtigter „Misinformation“, hat aber ähnlich schädliche Effekte. Zudem gefährdet sie Vertrauen in Institutionen, polarisiert Debatten und trifft junge Menschen besonders dort, wo Nachrichtenkonsum stark plattformbasiert ist, sowie die Trennung zwischen verlässlichen und zweifelhaften Quellen schwerfällt.
Antwort darauf ist kein Einzelprojekt der Jugendarbeit, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe von Staat, Zivilgesellschaft, Bildung und Medien. Wirksame Strategien kombinieren Regulierung und Plattformverantwortung mit Bildung und lokaler Aufklärung. In diesem Rahmen können Jugendvertretungen mithelfen, Resilienz zu stärken, indem sie Medienkompetenz für junge Menschen mitgestalten, und politische Entscheidungswege verständlich erklären.
Jugendvertretungen sollen den digitalen Raum aktiv mitgestalten – mit Inhalten von Jugend für Jugend und die Politik verständlich machen. Plattformen wie TikTok oder Instagram dürfen nicht jenen überlassen werden, die mit Vereinfachungen, Ressentiments oder Desinformation Reichweite erzielen. Stattdessen setzen wir eigene, faktenbasierte Formate dagegen. Polarisierungseffekte werden nicht befeuert, sondern in die richtige Richtung kanalisiert. Wir greifen strittige Themen auf, ordnen sie ein und bieten Orientierung, um sog. „bubbles“ aufzubrechen. Die besten Rezepte dafür kennen wir aus der Praxis selbst. Junge Menschen wissen, wie Formate funktionieren, welche Trends ankommen und wann ein Video Reichweite generiert. So entstehen starke, eigenständige digitale Stimme der Jugendvertretungen, die digitale Reichweite in Beteiligung übersetzten kann.
Digitale Jugendbeteiligung bedeutet mehr als Umfragen: Sie schafft eine verlässliche Präsenz junger Perspektiven im Netz und verknüpft Information, Austausch und Entscheidung so, dass Jugendliche mitreden und mitgestalten können. Sie umfasst laufende Onlinekommunikation und nutzt Beteiligungsformate dort, wo junge Menschen ohnehin unterwegs sind. Jugendvertretungen sind darin ein zentraler Akteur an der Schnittstelle zur Kommune: Sie regen Diskussionen an, bringen Anliegen junger Menschen in politische Prozesse ein. So wird Beteiligung verlässlich, wirksam und inklusiv– statt zur einmaligen Aktion.


