Auf persönliche Einladung hat eine Delegation des Dachverbands der bayerischen Jugendvertretungen e.V. (DVBJ) an der feierlichen Einweihung der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität als „Ort der Demokratie” teilgenommen. Der Verband folgte der Einladung mit großer Freude und mit gutem Grund, denn wenig andere Orte verkörpern den Zusammenhang von historischer Verantwortung und demokratischer Gegenwart so unmittelbar wie die Große Aula der LMU.
Die Auszeichnung als „Ort der Demokratie“ würdigt einen der bedeutendsten Schauplätze des demokratischen Neuanfangs in Bayern. Hier nahm im Juli 1946, wenige Monate nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft, die Verfassunggebende Landesversammlung ihre Arbeit auf. Es war die erste frei und demokratisch gewählte Volksvertretung seit 1934. In zehn öffentlichen Plenarsitzungen rangen die Abgeordneten um die Grundlagen des künftigen Staates, debattierten unter anderem über die Einführung eines Staatspräsidenten und über eine zweite Kammer und schufen so die bis heute gültige Verfassung des Freistaats Bayern. Am 1. Dezember 1946 nahm die Bevölkerung sie in einem Volksentscheid mit einer Mehrheit von rund 70,6 Prozent an.
In denselben Räumen konstituierte sich anschließend der erste bayerische Landtag der Nachkriegszeit und wählte Hans Ehard zum Ministerpräsidenten. Die Große Aula ist damit einer der zentralen Orte, an denen Bayern nach der Diktatur zu Rechtsstaat, Parlamentarismus und Grundrechten zurückfand, getragen von dem Anspruch, „die Segnungen des Friedens, der Menschlichkeit und des Rechtes dauernd zu sichern”.
Im Mittelpunkt der Einweihung stand ein interdisziplinäres Kolloquium, in dem drei Professoren die Bedeutung des Ortes aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchteten, unter anderem aus der Perspektive der Geschichtswissenschaft und der Rechtswissenschaft. Der Austausch machte deutlich, dass Demokratie kein abgeschlossenes historisches Ereignis ist, sondern eine Aufgabe, die jede Generation neu annehmen muss. Gerade das Zusammenspiel der Disziplinen mit Blick auf die Entstehungsgeschichte ebenso wie auf die verfassungsrechtlichen Grundlagen verlieh der Veranstaltung ihre besondere Tiefe.
Für den DVBJ war die Teilnahme mehr als ein Festakt. „Orte wie die Große Aula erinnern uns daran, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist, sondern erkämpft, gestaltet und immer wieder mit Leben gefüllt werden muss”, betont Juliana Gräfin von Brühl-Störlein, stellvertretende Vorsitzende des DVBJ. „Es hat mich tief beeindruckt, an genau der Stelle zu stehen, an der vor bald achtzig Jahren die bayerische Verfassung erarbeitet wurde. Demokratie lebt davon, dass wir ihre Geschichte kennen und ihre Zukunft aktiv mitgestalten.”
Auch Vorstandsmitglied Emilio Emiliano zeigt sich beeindruckt: „Als engagierter Jugendlicher sehe ich jeden Tag, wie wichtig Beteiligung ist. Orte wie die Große Aula erinnern uns daran, dass demokratische Institutionen nur dann lebendig bleiben, wenn Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und sich einzubringen.“
Der DVBJ dankt der Ludwig-Maximilians-Universität und den Initiatorinnen und Initiatoren des Projekts „Orte der Demokratie” für die Einladung und die eindrucksvolle Veranstaltung.

