Die ESK-Gruppe #mitentscheiden hat für die Kommunalwahlen einen 8-Punkte-Plan erarbeitet, der aktive Jugendliche in Kommunen dabei unterstützen soll, Erstwähler*innenzur Wahl zu animieren, Jugendliche zu ermutigen, selbst politisch aktiv zu werden und konkrete Forderungen an die Politik zu stellen. Vor dem Hintergrund der Vielfältigkeit hinsichtlich der Größe und der strukturellen Ausgangsbedingungen in verschiedenen Kommunen ist der Gruppe besonders wichtig, dass die hier vorliegenden Maßnahmen und Anregungen nicht nur für große Städte, sondern auch den weitläufigeren ländlichen Raum nutzbar sind.
1. Nicht-aktive Jugendliche erreichen
Politische Beteiligung darf nicht nur die Jugendlichen erreichen, die ohnehin schon aktiv sind. Wir wollen daher bewusst junge Menschen ansprechen, die bisher wenig Kontakt zu Jugendvertretungen, Parteien oder kommunaler Politik haben.
Deshalb wollen wir dort hingehen, wo Jugendliche im Alltag sind: Schulen, Berufsschulen, Vereine, Jugendtreffs, Sportplätze, Bushaltestellen, Feuerwehren, Social Media oder Dorffeste. Gerade im ländlichen Raum ist es wichtig, auch kleinere Ortsteile und Jugendliche ohne direkte Anbindung an Jugendangebote mitzudenken.
2. Was wollen junge Menschen?
Bevor Forderungen formuliert werden, sollen die Perspektiven junger Menschen in unserer Kommune eingeholt werden. Wir wollen fragen: Was fehlt euch? Was läuft schlecht? Wo fühlt ihr euch nicht ernst genommen? Was müsste sich ändern, damit junge Menschen hier gut leben können?
Das kann niedrigschwellig passieren: durch kurze Umfragen, Gespräche in Schulklassen, Frageboxen, Instagram-Stories, Workshops oder offene Treffen. Wichtig ist, dass unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar werden, da es nicht „die eine“ jugendliche Perspektive gibt.
3. Themen konkretisieren
Aus allgemeinen Problemen sollten konkrete Anliegen werden. Statt nur zu sagen: „Der ÖPNV ist schlecht“, werden wir konkreter formulieren: „Wir brauchen spätere Busverbindungen am Wochenende“ oder „Die Ortsteile müssen besser an Schule, Bahnhof und Freizeitorte angebunden werden.“
Auch andere Themen lassen sich konkret machen: sichere Radwege, konsumfreie Treffpunkte, bessere Freizeitangebote, Unterstützung für Ehrenamt, saubere Schultoiletten, mehr Jugendräume oder echte Beteiligungsmöglichkeiten. Je konkreter unsere Vorschläge sind, desto schwieriger wird es für Politik, sie zu übergehen.
4. Peer to Peer: Erstwähler*innen
Gerade Erstwählerinnen sollten gezielt angesprochen werden. Wer bei der ersten eigenen Wahl wählen geht, entwickelt eher die Gewohnheit, auch später an Wahlen teilzunehmen. Junge Menschen hören oft eher anderen jungen Menschen zu als offiziellen Wahlaufrufen. Deshalb ist Peer-to-Peer-Arbeit besonders wichtig. Wir wollen anderen Erstwählerinnen erklären, warum Kommunalpolitik ihren Alltag direkt betrifft und mit Ihnen
in den Dialog treten.
Es sind dabei vor allem einfache Formate nützlich, wie kurze Videos, Info-Posts, Schulaktionen, Gespräche in Jugendgruppen oder kleine Erklär-Flyer mit QR-Codes. Themen könnten sein: „Was entscheidet der Gemeinderat?“, „Warum ist meine Stimme wichtig?“ oder „Was hat die Kommunalwahl mit Bus, Schule, Sportplatz und Jugendtreff zu tun?“
5. Forderungen veröffentlichen
Wenn die Themen gesammelt und konkretisiert wurden, wollen wir diese öffentlich machen. Dazu wollen wir eine kurze Liste mit den wichtigsten Forderungen an die Kommunalpolitik formulieren. Wir wollen darauf achten, dass sie verständlich, realistisch und auf die jeweilige Kommune bezogen sind. Veröffentlichen kann man die Forderungen zum Beispiel als Social-Media-Reihe, Plakat, Postkarte, Pressemitteilung, offenen Brief oder
als Übergabe an Kandidierende. Besonders stark wirken Forderungen, wenn ihr sie mit Beispielen aus eurem Ort verbindet: „Bei uns fährt nach 20 Uhr kein Bus mehr“, „Es gibt keinen Treffpunkt ohne Konsumzwang“ oder „Jugendliche aus Ortsteil XY werden kaum erreicht.“
6. Austausch mit Politiker*innen
Wir wollen aktiv das Gespräch mit Kandidierenden und politischen Gruppen. Dabei eignen sich Formate wie eine Jugend-Fragerunde, ein Kandidierenden-Speed-Dating, eine Podiumsdiskussion oder ein offenes Gespräch im Jugendtreff, in der Schule oder online. Wichtig sind dabei klare Fragen: Was wollen Sie konkret für junge Menschen tun? Wie wollen Sie Jugendliche nach der Wahl beteiligen? Was planen Sie für Mobilität, Freizeit,
öffentliche Räume und Ehrenamt? Wichtig ist, dass Politiker*innen nicht nur allgemein Zustimmung zeigen, sondern möglichst konkrete Antworten geben. Schreibt diese Antworten auf, um nach der Wahl auf die politische Umsetzung eurer Forderungen zu bestehen.
7. Ermutigt andere Jugendliche
Viele Jugendliche wissen nicht, wie einfach erste Schritte politischer Beteiligung sein können. Wir wollen deshalb zeigen: Man muss nicht in einer Partei sein oder ein Amt übernehmen, um etwas zu verändern.
Auch Fragen zu stellen, an Sitzungen teilzunehmen, Kandidierende anzuschreiben, bei Aktionen mitzumachen, sich in Jugendvertretungen einzubringen oder eigene Ideen vorzuschlagen bringt Veränderung. Gerade kleine Schritte können dazu führen, dass junge Menschen merken: Meine Meinung zählt, und ich kann vor Ort etwas bewegen.
8. Nach der Wahl
Die Arbeit endet nicht am Wahltag. Wir werden festhalten, was Kandidierende vor der Wahl versprochen haben, und sie später fragen, was daraus geworden ist. So bleibt Jugendbeteiligung nicht nur ein Wahlkampfthema. Nach der Wahl wollen wir Treffen mit dem neuen Gemeinde- oder Stadtrat, dem/der Bürgermeister*in oder den gewählten Jugendbeauftragten organisieren. Ziel ist, dauerhaft im Austausch zu bleiben und junge Perspektiven verbindlich in kommunale Entscheidungen einzubringen. Dabei scheuen wir nicht, auch unangenehme Fragen zu stellen und beharrlich zu bleiben


